Freeride Guide in Bischofshofen

Wie kann ein Lawinenunfall überhaupt verhindert und wie muss im Ernstfall agiert werden? In Bischofshofen fand über drei Tage wieder der Freeride Guide statt.

 Der erste Lawinenunfall dieser Saison am Klingspitz (Dienten) hat es eindrucksvoll bewiesen: Im Ernstfall kann das Leben vom Können der Begleiter abhängen. Am Klingspitz jedenfalls schaffte es der Begleiter eines Skitourengehers, seinen gänzlich verschütteten Freund innerhalb der überlebensnotwendigen Zeit auszugraben und ihm damit das Leben zu retten.

 

Von Unfällen lernen
Beim diesjährigen Freeride Guide in Bischofshofen war jedenfalls der Ansturm an interessierten Skitourengeher/Wintersportlern groß. Die Lawinenereignisse der vergangenen Saison waren für den Vortrag von Michael Larcher der Schwerpunkt: „Die Lawine weiß nicht, ob du Experte bist“, so eines seiner Zitate, sind doch unter den Lawinenopfern sehr häufig sogenannte erfahrene Tourengeher dabei.

 

In der Kirche von Bischofshofen öffnete der freundliche Pater JarekBlazynski die Pforten für die interessierten Skitourengeher und meinte bei seiner Begrüßung: "Wenn es sonst noch irgend etwas geben sollte, womit ich euch in die Kirche bringen könnte, so sagt es gerne!"  

 

Kein Handyempfang - kein Hubschrauber!
Wie einsam sich Ersthelfer bei einem Unglück fühlen, das bewies der Vortrag von Gerald Lehner. Der Bergretter und Journalist berichtete von einem Bergunfall mit einer Schwerverletzten oder Sterbenden in der hochalpinen Wildnis, und weit und breit kein Handy-Empfang oder Hubschrauber: Wie vorgehen, wenn ein Ersthelfer in dieser Lage völlig allein mit einem oder mehreren Unfallopfern ist?

 

Das Neueste zum Thema Lawinenprävention
Einen Überblick über die wichtigsten Regeln und aktuellen Verhaltensmaßnahmen für die Ausübung des risikobewussten Wintersports abseits der gesicherten Pisten gab Bergführer und Ausbilder der Bergrettung, Sepp Schiefer, in seinem Vortrag. Er fasste alle aktuellen wichtigen Trends und Entwicklungen zusammen: Welche Bedeutung haben Gelände, Exposition oder Lawinenlagebericht für die Planung der Tour? Die überragende Mehrzahl der Unfälle passiert etwa in Nordhängen und bei Lawinenstufe 3. Auch vor Ort gilt es immer wieder wichtige Entscheidungen zu treffen, dazu gehört auch die Beachtung von typischen „Geländefallen“ wie Gräben im Auslaufbereich von Hängen, Felsabbrüche, Gletscherspalten, flache Böden am Fuß von Steilhängen sowie große Hindernisse in einer möglichen Sturzbahn. Sepp Schiefer präsentierte dabei den neuen Freeride Guide, der auch nützlich für die Tour unterwegs sein kann ...

 

Fahrlässiges Handeln weil besser Ausgebildeter!?
Wenn „das Unvorstellbare passiert ist“, dann werden Skitourengeher mit den Ermittlungen der Alpinpolizei konfrontiert. Alpinpolizist Thomas Wallner schilderte hierzu anhand eines konkreten Beispiels, wie die Abläufe einer solchen Erhebung sind. Vielen Wintersportlern ist offensichtlich nicht klar, dass bei einem Lawinenunfall mit Toten oder Verletzten ein strafrechtliches Delikt ausgeschlossen werden muss. Dazu gehört vor allem Fahrlässigkeit, die Beteiligten werden z.B. hinsichtlich ihrer Ausbildung, Ausrüstung, Vorbereitung oder auch individuellen Kenntnisse vernommen.

 

Schneeprofile, Gefahrenbeurteilung vor Ort
Der praktische Teil des Freeride Guides fand im Bereich des Hochkönigs statt: Zuerst gab es Aufwärmübungen mit den Physiotherapeuten von „Gangart“ 

 

und anschließend gings ins freie Gelände. In Gruppen aufgeteilt wurde mit Bergführern alles Wichtige zum Thema direkt bei einer kleinen Tour veranschaulicht und geübt. Am Schluss fand eine gemeinsame Lawinenübung statt, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden sozusagen mit einem simulierten Lawinenunglück direkt konfrontiert. 

 

Melde dich kostenfrei an und du erhältst unseren Folder per PDF zugesandt. 

 

Bericht und Bilder: Maria Riedler

Hier kommst du zu deinem Folder?

 

Melde dich hier kostenfrei an und du erhältst unseren Folder "Freerideguide" per Mail als PDF zugesandt!

 

 

 

 

 

Das war unser Freerideguide 2017

vom 13.12.2017 / 15.12. bis zum 16.12.2017

Am Mittwoch, 13.12.2017 1900 Uhr, im Österreichhaus Bischofshofen

 

Mag. Michael Larcher

Funktion: Leiter Abteilung Bergsport des Österreichischen Alpenvereins

Am 13.12.2017 um 19:00 Uhr ging's los mit einem Lawinen-Update im Österreichhaus.

Lawinenereignisse aus dem letzten Winter bilden den Schwerpunkt dieses Vortragsabends und dienen als Grundlage, den aktuellen Stand der Unfallvermeidung und Rettungstechnik zu präsentieren.

Der Vortragende, Michael Larcher, ist Bergführer, Gerichtssachverständiger und Leiter der Bergsportabteilung im Alpenverein. Larcher erläutert die grundlegenden Sicherheitsvorkehrungen zur Unfallvermeidung und was Tourengeher und Freerider aus der Analyse von Unfällen lernen können. Nehmt euch zwei Stunden Zeit, um euer Wissen zu aktualisieren und euch auf die kommende Wintersaison vorzubereiten.

 

Freitag, den 15.12.2017 1900 Uhr in der Kirche in Bischofshofen

Pfarrkirche Bischofshofen

 

 

Von 19:00 - 19:45 UhrDie Einsamkeit von Ersthelfern in den Bergen

Gerald Lehner, ORF-Redakteur in Salzburg, Autor, Journalist, Filmemacher. Verschiedene Ehrenämter in der Bergrettung, aktuell als Öffentlichkeitsarbeiter für die Tiroler Einsatzkräfte

Ein Bergunfall mit Schwerverletzten oder Sterbenden in der hochalpinen Wildnis, und weit und breit kein Handy-Empfang: Was geschieht, wenn ein Ersthelfer in dieser Lage völlig allein mit einem oder mehreren Unfallopfern ist? Kann man überhaupt viel tun? Wie soll man alarmieren? Wenn man weggeht, um Hilfe zu holen, dann droht bei Bewusstlosen der Erstickungstod. Bleibt man zu lange, dann kommt die Alarmierung zu spät oder gar nicht. Spielt nur noch das Glück die Hauptrolle – neben der fachgerechten Ersten Hilfe? Hannes Laner, Ortsstellenleiter der Bergrettung Bischofshofen, schildert dazu Erfahrungen vom Bergsteigen und aus der Flugrettung. Und er spricht mit Gerald Lehner von der Tiroler Bergrettung. Dieser war nach einem Kletterunfall mit einer schwerverletzten Seilgefährtin längere Zeit komplett auf sich allein gestellt - ehe sich die Lage doch noch zum Guten wendete. Oder nehmen wir Skitouren. Wer zu zweit unterwegs ist, für den ist eine Verschüttung des Partners äußerst stressreich. Noch härter wird es bei Touren mit Mehrfachverschüttungen. Zusammen mit dem Publikum erkunden wir ein Thema, das sehr selten öffentlich besprochen wird. Wird es zu sehr verdrängt?

 

Von 20:00- 21:00 Uhr: Vorstellung des Folders "Freerideguide"

Josef Schiefer staatlich geprüfter Berg- und Skiführer  Heeresbergführer- langjähriges Mitglied im Bergführerausbilderkader bis 2014, Bergretter und Ausbilder in der Bergrettung Land Salzburg, Heeres- und ziviler Flugretter- Winchoperator, Ausbilder im Auftrag der Salzburger Landesregierung für Lawinenwarnkommisionen

Die zweite Auflage des Freerideguides bietet dir einen kurzen Überblick über die wichtigsten Regeln und Verhaltensmaßnahmen für die Ausübung des risikobewussten Wintersports abseits der gesicherten Pisten. „Es ist uns als Bergretter und Bergführer ein Kernanliegen, den Wintersportler neben den unsagbar schönen Erlebnissen, auch auf die möglichen Gefahren unserer Sportart hinzuweisen und dafür zu sensibilisieren“, so Sepp Schiefer.

Im Wesentlichen umfasst die Neuauflage die essentiellen Themen des eigenverantwortlichen und risikobewussten Verhaltens auf Tour wie etwa Gelände, Exposition oder Alarmzeichen, aber auch der Lawinenlagebericht, der Notfall und die Standardmaßnahmen, sind in prägnanten Schlagworten und Sätzen ausformuliert.

In der Veranstaltung am Freitagabend geht Bergführer Sepp Schiefer im Speziellen auf die Neuerungen im Lawinenlagebericht ein und bespricht die typischen Lawinensituationen/ Probleme. Ebenso aber auch die Standartmaßnahmen vor und während der Tour, sowie die Geländefallen. „Mit Geländefallen ist gemeint, dass wenn eine Lawine bereits ausgelöst wurde, dass dann die Geländeform eine entscheidende Rolle für den weiteren Ablauf und die resultierenden Konsequenzen eines Lawinenabganges spielt“, so Schiefer. „Dazu gehören Gräben im Auslaufbereich, Gletscherspalten oder Felsabbrüche - doch mehr dazu im Vortrag!“

 

21:05 - 21:55 Uhr: Das Unvorstellbare ist passiert

Thomas Wallner, Revierinspektor in Werfen, Alpinpolizist, Mitglied im Nationalkader für Skibersteigen, Instruktor Skibergsteigen

  • Kurzer Film über die Alpinpolizei
  • Aufgaben der Alpinpolizei im Zuge von Alpinunfällen
  • Konkretes Beispiel, was passiert nach einem Lawinenabgang, was sind die Aufgaben der Polizei, womit müssen Beteiligte rechnen?

Der Alpinpolizist und Sportler Thomas Wallner wird euch mit den standardmäßigen Erhebungen bei einem Lawinenunfall konfrontieren. Erkenntnisse, die bereits in unsere Tourenplanung einfließen können!

 

Durchs Programm führt Hannes Laner

Bergführer, Ortsstellenleiter der Bergrettung Bischofshofen

 

Samstag, 16.12.2017, 09:00 - 14:00 Uhr

Unsere Bergführer für den Samstag sind Peter Gamsjäger, Georg Oberlechner, Heinrich Lechner und Josef Schiefer

  • Günter Karnutsch, Präsident des Verbandes der Salzburger Bergsportführer.
    Günter Karnutsch, Präsident des Verbandes der Salzburger Bergsportführer.
    unterstützt diese Aktion mit dem Bergführerverband Salzburg
  • Josef Schiefer, Berg- und Skiführer
    Josef Schiefer, Berg- und Skiführer
  • Georg Oberlechner, staatlich geprüfter Berg- u. Skiführer
    Georg Oberlechner, staatlich geprüfter Berg- u. Skiführer
    Bergsteigerschule Mountain Mystics
  • Heinrich Lechner, Staatlich geprüfter Berg- u. Skiführer
    Heinrich Lechner, Staatlich geprüfter Berg- u. Skiführer
    Geschäftsführer bei peak-experience
  • Peter Gamsjäger, staatlich geprüfter Berg- u. Skiführer
    Peter Gamsjäger, staatlich geprüfter Berg- u. Skiführer

 

 

Erzähle mir und ich vergesse, Zeige mir und ich erinnere. Lass es mich tun und ich verstehe!

(K.H.Waggerl)

Nach diesen Motto beginnen wir den Samstag

 

Wir treffen wir uns beim Arthurhaus zu einer praktischen Ausbildung!

Eigene Touren Ausrüstung mitnehmen!!!

Um 09:00 Uhr beginnen wir mit dem Team von Gangart (Physiotherapeuten und erfahrene Skitourengeher).

"Die körperlichen Anforderungen beim Freeriden sind hochkomplex. Freerider benötigen neben allgemeiner Kraft und Ausdauer vor allem Koordination, Beweglichkeit und Kraftausdauer. Damit einem auch nach mehreren Abfahrten das Grinsen nicht vergeht, und nicht zuletzt als Verletzungsprophylaxe, empfiehlt sich daher eine spezifische Vorbereitung.

Die schneebegeisterten Bewegungsexperten von „GANGART Physiotherapie“ zeigen euch in einem Workshop wie ihr aktiv euer Winter-Fahrgestell aufs Freeriden vorbereiten könnt.“ 

GANGART Physiotherapie

Georg Lehner, Christoph Schäffer, Stefan Laner

Gangart

 

Weiter geht es mit unseren Bergführern:

Frei nach dem Motto (Erzähle mir und ich vergesse, Zeige mir und ich erinnere. Lass es mich tun und ich verstehe) wird der Ausbildungstag am Samstag eine ausgewogene Mischung aus Theorie und Praxis beinhalten um dich für deine künftigen Skitouren optimal vorzubereiten.

In Gruppen von maximal 8-10 Teilnehmern werden wir für Einsteiger und Fortgeschrittene folgende Themen als Fixpunkte behandeln.

Umgang mit der Notfallausrüstung in der Praxis (LVS-Training, Airbag)

Schnee- und Lawinenkunde- Blick in die Schneedecke

Sicherheits­maßnahmen im Gelände sowie die Grundsätze der Spuranlage

Routen- und Gelände­wahl, Spitzkehrentechnik,  vom Viertakter zur Spitzkehre, Tipps & Tricks

Erkennen lawinenrelevanter Faktoren im Gelände

Anwenden des Lawinenlageberichts

Organisation der Abfahrt

Lawinenunfallmangement - Erste Maßnahmen am Lawinenkegel