Rupert Hauer besteigt Mount Everest

Der Lungauer Alpinpolizist Rupert Hauer hat Mittwoch den Mount Everest von der chinesischen Seite bestiegen. Der Mauterndorfer leitet die Expedition für zahlende Gäste – als staatlich geprüfter Bergführer eines Innsbrucker Unternehmens.

Rupert Hauer auf dem Mount Everest von China aus

facebook.com/Archiv Hauer

Rupert Hauer vor ein paar Tagen auf chinesischer Seite unter dem Mount Everest mit Northcol und Hornbein-Colouir, benannt nach dem US-Höhenmediziner und Everest-Pionier Tom Hornbein (Seattle bzw. Boulder, Colorado)

Laut Expeditionsveranstalter „Furtenbach Adventures“ in Innsbruck erreichten vier Teilnehmer aus den USA, Deutschland und Österreich unter professioneller Führung des Lungauers am Mittwoch den 8.850 Meter hohen Gipfel des Mount Everest von der chinesisch-tibetischen Seite. Der Weg führte über das ehemalige Kloster Rongbuk ins Basislager und dann über die Northcol-Route auf den Berg. Das Quintett verwendete Sauerstoffflaschen. Sie stiegen nach dem Erfolg rasch zu einem der höhergelegenen Lager ab. Nun dürfte es über die gut versorgte Lagerkette gleich weiter zum Basislager gehen. Rupert Hauer und sein nepalesischer Kollege Mingma Sherpa haben dagegen noch eine weitere Aktion auf dem Programm. Sie führen laut „Furtenbach Adventures“ eine zweite Gruppe mit O2-Flaschen in Richtung Gipfel. Diese hatte bisher weiter unten auf ihre Chance gewartet.

Gerücht: Probiert er es zum Schluss noch ohne O2?

Das Wetter scheint auch weiterhin zu passen. Es gibt zudem in Österreich ein paar Spatzen in der Fachwelt, die pfeifen ein bisher von niemandem bestätigtes Gerücht von den Dächern. Demnach könnte Rupert Hauer nach Abschluss der beruflichen Verpflichtungen eventuell noch privat versuchen, ein weiteres Mal allein und von weit unten zum Gipfel zu gehen – nun ohne Verwendung von künstlichem Sauerstoff.

2013 allein, knapp unter Gipfel umgekehrt

Auf dieser Route von Norden her war Hauer schon 2013 unterwegs – damals rein privat und „by fair means“, ohne technische Hilfsmittel, ohne Stahlflaschen und allein. Fast in Gipfelnähe verzichtete er auf den sportlich großartigen Erfolg, um einen erblindeten Amerikaner zu retten und ins Tal zu bringen.

Rupert Hauer Extrembergsteiger Bergretter Alpinpolizist

Gerald Lehner

2013: Die Verletzungen durch Wind, Frost und Sauerstoffmangel heilten wenig später vollständig ab

Dabei erlitt der Lungauer selbst schwere Erfrierungen im Gesicht, die zu Hause aber wieder gut abheilten. Wer in diesen Seehöhen ohne O2-Flaschen unterwegs ist, hat dieses Risiko auch für Füße und Hände dauernd – unabhängig vom Trainingszustand. Hauer ist im Lungau seit langer Zeit auch als ehrenamtlicher Bergrettungsmann aktiv. Er erntete für sein Mitgefühl international ein sehr positives Echo.

Nun geführte Tour für Gäste

Am Mittwoch bewährte sich der Salzburger auf dem höchsten Berg der Erde auf andere Art – als erfolgreicher Dienstleister, Organisator und Bergführer. Der Aufstieg seiner Gruppe erfolgte wieder von der chinesisch-tibetischen Seite – mit taktischer und praktischer Hilfe von sehr erfahrenen Höhenbergsteigern aus dem kleinen Volk der Sherpas im benachbarten Nepal.

Rupert Hauer auf dem Everest

facebook.com/Rupert Hauer

Alle 14 Achttausender längst buchbar

Die meisten Sherpas sind Viehzüchter, Berg- und Almbauern. Einige arbeiten immer wieder auch als Hochträger bei Expeditionen. Die Volksgruppe stammt von der nepalesischen Seite des Himalaya-Hauptkammes, hat aber tibetische Wurzeln. Sherpas stehen auch in China und anderen Staaten Asiens mit Hochgebirgen für Gipfelversuche von Gästen aus aller Welt zur Verfügung und verdienen damit den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien – zum Teil im Nebenerwerb oder hauptberuflich.

Taktisch gut geplante Unternehmen

Viele Kunden von kommerziellen Agenturen und Veranstaltern sind Laien oder Anfänger aus bergsteigerischer Sicht, aber körperlich bestens trainiert und hoch motiviert. Sie bezahlen hohe Geldsummen für Organisation und Führung solcher Expeditionen. Dieser kommerzielle Stil ist längst für alle 14 Achttausender in China, Nepal, Nordindien und Pakistan verfügbar und hat in den Augen von Spitzenleuten mit klassischem bzw. sportlich „fairem“ Höhenbergsteigen wenig zu tun. Versorgung, Hochlager und Aufstiegsspuren werden dabei von Profis wie Hauer und seinen Sherpa-Kollegen technisch, logistisch und strukturell gut vorbereitet, um die Gipfelchancen für alle Teilnehmer zu erhöhen.

Diemberger als erster Salzburger

Rupert Hauer ist erst der zweite Salzburger auf dem höchsten Berg der Erde, nachdem ihn 1978 Kurt Diemberger mit einem französischen Team erreicht hatte – von der nepalesischen Seite über den Khumbu-Eisbruch, das Tal des Schweigens und den Südsattel – der Route der Erstbesteiger von 1953 (Tenzing Norgay Sherpa und Ed Hillary). Diemberger lebt seit Jahrzehnten in Salzburg und Bologna, ein gebürtiger Villacher, der schon als Kind nach Salzburg kam.

Kurt Diemberger

APA / HERMAN WARTH

Kurt Diemberger, 1954 auf dem Broad Peak in Pakistan

Inhöger und Amon

Die beiden Salzburger Bergführer und ehrenamtlichen Bergretter Sepp Inhöger aus Bad Gastein (Pongau) und Markus Amon (Maishofen bzw. Kaprun) mussten bei früheren Expeditionen umkehren, wobei Inhöger 1996 nur noch wenige hundert Meter bis zum Gipfel hatte – damals auch von China her. Beide waren bei ihren jeweiligen Touren ohne Sauerstoffflaschen und ohne Hilfe von Hochträgern unterwegs. Das ist laut Fachleuten viel schwieriger und gefährlicher als Versuche unter gut versorgten Bedingungen, die kommerzielle Expeditionsunternehmen ihren Gästen bieten.

Everest-Marathon

Amon fiel in jüngerer Vergangenheit im Everestgebiet durch eine weitere Hochleistung auf. Er gewann 2016 – ein Jahr vor seinem Gipfelversuch – den legendären Everest-Marathon in der Kategorie der besten Ausländer. Bei diesem extremen Berglauf über eine Langstrecke, harte Auf- und Abstiege in der Everest-Region Khumbu (Almlandschaften in Nepal) geben traditionell einheimische Sherpas die mit Abstand besten Laufzeiten vor. Viele Dörfer liegen auf 3.000 bis 4.500 Metern Seehöhe, was den Bewohnern genetisch zu einem äußerst leistungsfähigen Blutkreislauf und hervorragender Höhenanpassung verhilft.

Peter Wörgötter Höhenbergsteiger Bergsteiger Achttausender Himalaya 8000er Achttausenderbergsteiger Alpenverein Saalfelden

Gerald Lehner

Peter Wörgötter, Zweitbesteiger des Everest-Nachbarn Lhotse, kurz vor seinem 70. Geburtstag (2013)

Peter und Wastl Wörgötter

Bleiben noch zwei andere Salzburger Pioniere zu erwähnen. Denen gelang in direkter Nachbarschaft des Mount Everest schon 1977 die insgesamt erst zweite Besteigung des etwas kleineren Bruders – des 8.516 Meter hohen, prachtvollen, schwierigen und bis heute selten bestiegenen Lhotse. Den mögen hartgesottene Spezialisten für steiles Eis und kombiniertes Gelände. Der dem Massenpublikum kaum bekannte Lhotse taugt nicht so sehr für mediale Eitelkeiten und kommerzielle Touren. Er ist vom Everest (Chomolongma bzw. Sagarmatha = weibliche Formen in den Sprachen von Einheimischen) durch den weltbekannten Südsattel (Southcol) auf ca. 8.000 Metern Seehöhe getrennt – den höchsten Pass der Erde.

Der Gipfeltag der Pinzgauer Brüder Wastl und Peter Wörgötter auf dem Lhotse wurde 1977 – mehr als 20 Jahre nach der Erstbesteigung durch die Schweizer Ernst Reiss und Fritz Luchsinger (1956) – international in Fachkreisen auch als großer Erfolg gefeiert. Historisches Territorium für die Salzburger: Das Schweizer Team hatte sich vor seiner Lhotse-Erstbesteigung noch mit Briten bzw. Neuseeländern um den Everest bei einer Art Wettlauf gematcht und diesen „Kampf“ um die Geschichtsbücher gegen Hillary und Tenzing knapp „verloren“.

Gerald Lehner, salzburg.ORF.at

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Hannes Laner

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